Im Westen was Neues
Playbacktheater - Begegnungen im Vorderen Westen
Mädchen und Seniorinnen spielen ihre Geschichte und Geschichten gemeinsam im Playback Theater.
Dazu müssen wir keinen Text auswendig lernen nur einander zuhören!
Manchmal ist es schwierig richtig zu verstehen was die andere Generation so meint, mit dem was sie erzählt, auch wenn wir versuchen genau hinzuhören.
Oft leben Mädchen und Seniorinnen in einer völlig anderen Erlebniswelt.
Im Playback Theater kommen tatsächliche Erlebnisse auf die Bühne, die Spielerinnen schlüpfen ganz spontan in Rollen der Erzählung, die Geschichte wird frei improvisiert und zurück gespielt – „play back“.
So werden die Situationen von innen angeschaut und selbst (mit)erlebt.
Das Besondere an unserem Projekt ist: Jede ist Spielerin und auch Erzählerin zugleich.
Jeder Moment des Lebens ist ein Theaterstück wert, eine Situation von gestern in der Straßenbahn oder ein besonderes Erlebnis aus der eigenen Vergangenheit.
Zum ersten Mal haben wir uns im Winter 2008 und dann weitere siebenmal getroffen. Eine Gruppe bestehend aus sechs Mädchen und sechs Seniorinnen. Um uns besser kennen zu lernen, haben wir bei dem ersten Treffen Namensspiele, Vertrauensübungen und Aufwärmübungen für Körper und Stimme gemacht.
Später haben wir in Rollenspielen gelernt uns in Dinge hinein zu versetzen und einfach zu spielen wie sich das anfühlt z. B. war eine die Tomatensoße und eine andere die Spaghetti oder eine war die Wut und eine die Traurigkeit. Wir haben probiert wie es ist, auf einer "Bühne" zu stehen, sich dort zu bewegen und Applaus zu bekommen. Und wie das fürs "Publikum" ist wenn alle auf der Bühne durcheinander reden.
Wir haben uns darin geübt, nur zuzuhören ohne mit Worten zu antworten, sondern mit einer Körperhaltung oder mit dem Hochhalten einer Farbe oder mit dem Summen eines Tons.
Am ersten Intensivtag haben wir uns in kleinen Gruppen zu viert abwechselnd kurze GESCHICHTEN aus unserem Leben erzählt. Drei andere haben dann die Gefühle der GESCHICHTE noch mal zurück gespiegelt/gespielt, das was bei ihnen angekommen ist. Die Erste mir drei Worten, die Zweite mit einem Instrument und die Vierte im spontanen Theaterspiel mit Körper und Stimme, aber ohne Worte.
"… als ich nur einen 5 € Schein für den Fahrkartenautomat hatte, hab ich einen Mann gefragt, ob er Geld wechseln kann, da hat er mir die Fahrkarte geschenkt."
"… ich habe immer Angst, wenn mich die Betrunkenen ansprechen, ob ich eine Zigarette habe…"
"… ältere Frauen haben mich schon öfter übers Haar gestrichen und mir Komplimente gemacht, das finde ich doof…"
"… ich wollte nur nach dem Weg fragen und die junge Frau hat nicht reagiert…als ich sie dann angetippt habe, hat sie sich fürchterlich erschreckt, dann hat sie die Knöpfe aus dem Ohr genommen…dann konnten wir uns anlächeln."
Am zweiten Intensivtag haben wir abwechselnd aus unserer persönlichen GESCHICHTE erzählt und das wurde dann von den Spielerinnen auf der Bühne spontan gespielt. Manchmal als "Diashow" mit einzelnen Standbildern, manchmal als "Chor", wo scheinbar die Spielerinnen ein Tier mit mehreren Köpfen und ganz vielen Händen sind oder als Szene mit verteilten Rollen - wie in einer Playback-Theateraufführung.
Einige Aussagen der Teilnehmerinnen über das Projekt:
"Die Rolle der Anderen zu verkörpern ist sehr spannend."
"Auf der Bühne habe ich mich Dinge getraut, die ich sonst nie tun würde."
"Man schlüpft in die GESCHICHTEN der Anderen und sieht auch mit ihren Augen."
"Es ist schwer die eigene Meinung los zulassen und die Rolle darzustellen."
"Als ich die GESCHICHTE gehört habe, hab ich's nicht verstanden, aber als ich sie dann auf der Bühne gesehen habe, konnte ich mit fühlen."
"Wir sind in GESCHICHTEN und GESCHICHTEN der anderen Generation eingetaucht."
"Wir leben im gleichen Stadtteil, aber in verschiedenen Welten."
Spielleitung: Eva Tuschoff und Birte Reelitz, Playback-practicer seit 2002
Herzlichen Dank an das Kinder- und Jugendnetzwerk Kassel und die Sozialstiftung der Kasseler Sparkasse für die freundliche Unterstützung, die das Playback-Theaterprojekt erst ermöglicht hat.


