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Barrieren überwinden - Internationales Zirkuscamp 2010

Abschlussgala am 3.April

Barrieren überwinden & die Magie der Integration

Internationales Zirkuscamp
27.03.-04.04.2010 in Melsungen & Kassel

Unter dem Thema "Barrieren überwinden" beschäftigten sich 30 Jugendliche aus der spanischen Extremadura und Nordhessen 8 Tage lang mit Besonderheiten, die Menschen mit Beeinträchtigungen in ihrem alltäglichen Leben widerfahren.
Behinderte Menschen treffen nach wie vor in beiden Ländern auf eine ganze Reihe von Barrieren und Behinderungen im Alltag im öffentlichen Raum, bei Veranstaltungen und Freizeitgestaltung, beim Besuch von Regelschulen, in der beruflichen Orientierung, insgesamt beim Versuch eigene Vorstellungen und Wünsche zu realisieren. Das Projekt wollte dazu beitragen, die Wahrnehmung hinsichtlich der kulturell und gesellschaftlich gestalteten Behinderung von Menschen, die nicht perfekt ins Leistungssystem europäischer Wirtschaft passen, zu schärfen. Behinderte Menschen erfahren Ausgrenzung durch weitgehende Nichtberücksichtigung ihrer speziellen Bedürfnisse im „normalen“ Alltag und bestenfalls eine Sonderbehandlung in Sondereinrichtungen. Die Teilnehmenden sollten die Erfahrung gelungener Integration von behinderten und nicht behinderten in eine internationale Gruppe machen können. Einbeziehung und wechselseitige Unterstützung sollten ein höheres Maß an Selbstverständlichkeit erlangen.

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Die Jugendlichen erlebten die Schwierigkeiten, denen behinderte Menschen alltäglich im öffentlichen Raum ausgesetzt sind, aus erster Hand und sollten mögliche Lösungen entwickeln
In der Innenstadt von Melsungen wurden verschiedene Übungen zur Nachempfindung von Einschränkungen durchgeführt:
- Geschmacks- und Tastübungen bei verbundenen Augen
- Fortbewegung im öffentlichen Raum mit verbundenen Augen (unter Begleitung jeweils eines anderen Teilnehmenden)
- Beschaffung von Informationen bei Behörden unter Simulation einer Gehbehinderung
- Ausprobieren der Gehörlosensprache
- Einkaufen im Rollstuhl
Die Reaktionen der Passanten und auch der befragten Personen waren sehr unterschiedlich von Ablehnung („wie kann man so ein schreckliches Schicksal nur so simulieren“) über Gleichgültigkeit bis – überwiegend - hin zu positiven Reaktionen („gut, sich mal in diese Situation zu versetzen“).

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Natürlich erkundete die Gruppe auch die Kasseler City, besuchte den Bergpark und den Herkules und traf an verschiedenen Orten andere Kasseler Jugendliche, an einem Vormittag war Reiten angesagt. Zwei der Kasseler Teilnehmer stellten den anderen ihre Werkstatt-Arbeitsplätze vor.
Im Kasseler Rathaus wurde die Gruppe von Mitgliedern des Stadtparlaments empfangen. Dort fand auch ein Austausch über die insbesondere von den spanischen Gästen beobachteten guten wie weniger guten Besonderheiten für Menschen mit Behinderungen im Kasseler öffentlichen Raum statt (Kennzeichnungen und akustische Signale für Sehbehinderte, fehlende Aufzüge in öffentlichen Gebäuden, die von Rollstuhlfahrern frequentiert werden, Kreuzungen, die für Rollstuhlfahrer nicht zu überwinden sind u.a.m.)

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Wichtigstes Element dieser Jugendbegegnung aber war die Zirkusarbeit. Viele der Teilnehmer kannten schon vorher einen der beiden beteiligten Zirkusse Circompay und Zirkus Buntmaus.
Da wurde dann tagelang munter jongliert mit Bällen, Tüchern, Keulen, es wurde Einrad gefahren, Clownerien und Akrobatiknummern eingeübt, Kugellaufen und Seiltanz probiert. Weil man beim Zirkus den anderen ja das meiste einfach zeigen kann, also gar nicht so viel mit Worten erklären muss, war es auch nicht weiter schlimm, dass nun wirklich nicht alle spanisch oder deutsch konnten. Wenn es aber doch nötig war, waren Übersetzer zur Stelle.
Die Beobachtungen zur Integration und die Vorstellungen davon, wie Barrieren ganz praktisch überwunden werden können, wurden am Ende der Begegnung als Ergebnisse der Zirkusarbeit in einer öffentlichen Zirkusgala im Kasseler Kulturhaus DOCK 4 vor 80 Zuschauern präsentiert.

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Kommentare der TeilnehmerInnen:

Ich habe gelernt:
- "A perfeccionar el ingles y a relaicionarne con las personas discapacidadas, ya ave no todos son iguales y hay que tratarios de diferente manera" – ( mein Englisch zu verbessern, und was die behinderten Menschen betrifft: nicht alle sind gleich und brauchen in unterschiedlicher Weise Unterstützung.)
- "jager con sombreros, algo de aleman y encontrar un poquito mas a mi clown inferior" – (mit Hüten jonglieren, etwas Deutsch und etwas mehr meinem inneren Clown begegnen)
(2 spanische Teilnehmer)

"…. Am besten in Erinnerung geblieben sind mir die Aktionen, die wir unternommen haben, wie z.B. die Stadtspiele in Melsungen, es war ein komisches Gefühl blind oder im Rollstuhl die Stadt zu erkunden, die Leute guckten komisch oder machten unangemessene Bemerkungen, doch vor allem fiel auf, dass man es mit einer Behinderung sehr schwer hat z.B. einkaufen zu gehen, denn viele Gänge sind zu eng oder Sachen stehen zu weit oben. Durch diese Erfahrungen wurde mir persönlich schnell klar, auf wie viel Hilfe diese Leute angewiesen sind und wie sehr ich sie nun bewundere, dass sie das alles so hinbekommen. Auch das wurde mir erst klar, als wir die Augenbinden auf den Augen hatten und uns komplett auf unseren Partner und unsere Sinne verlassen mussten und obwohl das gar nicht so einfach war, konnten wir es alle zusammen lösen.
Eben so gut wie an die verschiedenen Aktionen erinnere ich mich an unseren schönen gemeinsamen Auftritt, er hat mir - und ich denke auch den andern - sehr gut gefallen, die Zuschauer waren auch sehr begeistert, es war wirklich schön zu sehen, wie viel man in einer Woche lernen kann….
Über das Land Spanien selber haben ich auch einiges gelernt, entweder, wenn man sich über irgendetwas unterhalten hat, oder auch in den Vorbesprechungen zu der Begegnung. Durch die Begegnung selber habe ich einiges über Spanier gelernt, z.B. das sie viel offener sind, als die Deutschen, oder das diese Spanier auch sehr freundlich und auch ein wenig aufgedreht sind, man kann also mit ihnen sehr viel Spaß haben und ruhig oder langweilig wird es auch nie, daher haben auch die Workshops, die wir gemeinsam gemacht haben immer viel Spaß gemacht, und man hat neue Dinge gelernt. Die Spanier zum Beispiel kannten es gar nicht, etwas mit Feuer zu machen, wegen der Waldbrandgefahr in Spanien. Und ich habe viele neue Diavolotricks und neue Akrobatik-Figuren gelernt. ….

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..Noch etwas, das mir bei den Spaniern auffiel, ist, dass sie sehr spontan sind. Dadurch kam es auch zustande, dass wir nach unserem Auftritt in Kassel, auf dem Friedrichsplatz auf einmal alle anfingen irgendwelche Zirkussachen zu machen, während wir auf den Zug warteten, z.B. zu jonglieren oder ähnliches, ein spanischer Betreuer spielte dazu mit seinem Akkordeon und der Spaß fing an. Alle Leute haben uns angeguckt und am Anfang fühlte es sich etwas komisch an, aber nach ein paar Minuten kam es mir fast normal vor. Es war wirklich hervorragend. ….." (Alena)

"…. Natürlich gab es Verständigungsprobleme und Missverständnisse, das war aber nebensächlich. Ich habe am Jonglageworkshop teilgenommen und bin besser im Devil-Stick spielen geworden. ……. Einmal sind wir in die Innenstadt von Melsungen gefahren und haben versucht, mit Rollstühlen, Krücken, Augenbinden, Blindenstöcken und anderen Gegenständen nachzufühlen wie es ist, mit Behinderung zu leben. Man hätte, anders als in der Realität, zwar jederzeit abbrechen können, wenn es gefährlich geworden wäre, hat aber einen kleinen Einblick in die Probleme von Menschen mit Behinderung bekommen. Die Woche war schnell vorbei und der Abschied traurig, doch alles in allem war es eine sehr gute Erfahrung die ich gerne nächstes Jahr wiederholen würde." (Noah)


Zwei Kurzvideos zum Projekt gibt es hier: http://www.youtube.com/watch?v=zMOjiFFuK4s und http://www.youtube.com/watch?v=ANDY7A5ujco (Zirkusgala).

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Das internationale Zirkuscamp „Barrieren überwinden“ wurde organisiert vom Kommunalen Jugendbildungswerk der Stadt Kassel und ZirkuTopia e.V. in Kooperation mit Circompay Talayuela. Das Projekt wurde finanziell gefördert durch das EU-Programm JUGEND IN AKTION.