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Beatbox, Luftgitarre & Co - (Jugend)kulturen begegnen sich

Spielfilmworkshop

Internationales Spielfilmprojekt für Jugendliche

vom 20.-30 Juli 2009 in Kassel und Melsungen

Gellende Schreie hallen von den kahlen Wänden des kalten Treppenhauses wider und werden durch anschwellendes kollektives Kreischen abgelöst, gehetzte Blicke… und dann die blutverschmierten Reste ihres neuen Freundes, der Kopf abgeknickt, die Arme sonderbar verdreht, die Augen starr. Dabei hatten sich doch alle gerade erst beim Austausch kennen gelernt. Panik macht sich breit. Und das alles nur wegen ein bisschen Rockmusik? Wo sind die anderen beiden Jungs? … Aufgeschlitzt, Zerschmettert. Was bleibt schon übrig, als weiter zu schreien?
Es wird geschnitten und vergiftet, zertrümmert und zerquetscht, gewürgt und gestochen, und die, die das happy end erleben dürfen, gehen zur Beruhigung zum Shopping.

- Begegnung von Kulturen???

„Was, verdammt noch mal, tut ihr ver …* hier in unserer Hütte?“ fragt der Typ mit den tiefer gelegten Hosen offensichtlich aufgebracht eine Schar bunt gekleideter und gefühlvoll irgendwie einander zugewandter Mädels, die ihn und seine Begleitung mit den Kapuzenpullis ihrerseits verwirrt anstarren: „Waaas wollen die?“ Aber es bleiben alle friedlich: die, die schon da waren, bleiben friedlich sitzen und die, die gekommen waren, trollen sich friedlich.
Als aber einer der ihren verschwindet, mutmaßen die verbliebenen Kapuzenträger, die andere Gruppe könnte ihm etwas angetan haben, nämlich ihn zum Tanzen verleitet oder gar ihn in einen Emo verwandelt haben. Der Versuch, den Freund aus den Klauen der mal fröhlichen, mal traurigen Girls zu befreien scheitert indes, weil die Emomädels keine Ahnung vom Verbleib des Vermissten haben. Ihr Versuch den besorgten HipHop-Fans bei der Suche zu helfen führt schnell dazu, dass nun eins der Mädchen ihrer Gruppe abgängig ist und frau sich nun ebenfalls allerfürchterlichste Dinge wie die Verwandlung in eine Hiphopperin ausmalt.
- Alles Quatsch, weil die stehen ja neben ihnen. Was also tun??
Und an dieser Stelle hat’s sich mit der Friedlichkeit. Die Feststellung, dass das Grauen der Verwandlung in einen Fan der anderen Szene steigerbar ist, überlebt niemand der beiden Gruppen – außer halt der Täterin, die sich als undercover agent der klassischen Musik erweist.

- Jugendkulturen begegnen sich??

Die Teilnehmer/innen dieser Internationalen Spielfilmproduktion hatten großen Spaß daran der realen Begegnung finnischer und deutscher Jugendlicher das fiktive Aufeinandertreffen von Hiphoppern und Emos gegenüberzustellen und die blut- und leichenträchtige Konfrontation von komplett durchgeknallten Einzelwesen mit zwar verschiedenen, aber einander letztlich akzeptierenden, konkurrierenden Szenen als Ergebnis ihrer eigenen sehr produktiven Kooperation zu präsentieren.


21 Jugendliche aus Kassels finnischer Partnerstadt Rovaniemi und Kassel tauschten sich vom 20.-30. Juli 2009 in Nordhessen über verschiedene Jugendszenen aus, erlebten die Begegnung zweier (Jugend)kulturen und entwickelten gemeinsam aus Ihren Erfahrungen und Ideen zur „Begegnung von Kulturen“ unter fachkundiger Anleitung zwei Spielfilme, die im Offenen Kanal Kassel ausgestrahlt wurden.

Nach den anfänglichen Kennenlernspielen und kleineren Kooperationsaufgaben begannen die Jugendlichen rasch, sich mit dem Thema auseinander zu setzen (Fühle ich mich einer oder mehreren Jugendszenen zugehörig? Und welcher?) und seine mediale Umsetzung zu planen.
Es wurden Besonderheiten von Emos, Hiphoppern, Gothics und Hardrockern diskutiert, Drehbücher geschrieben und Szenen gedreht. Nach der technischen Einführung betätigten sich die Jugendlichen als Kameraleute, Beleuchter, Requisiteure und natürlich Schauspieler. Die beiden Filmfachleute Tobias Milde und Sascha Prinz standen ihnen mit dramaturgischen Tipps und Kniffen zur Seite.
Die Filme wurden am Ende der Begegnung im Kasseler Willi-Seidel-Haus uraufgeführt.

Darüber hinaus gehörten erlebnispädagogische Elemente und weitere Kooperationsaufgaben (eine Kanutour und eine Nachtwanderung mit besonderen Aufgabenstellungen), das Kennen lernen des Lebensumfeldes der nordhessischen Gastgeber (Stadterkundungen, Besuche verschiedener Jugendtreffpunkte) und ein "Familiennachmittag" zum Programm. Die Kasseler führten ihre Gäste zu den Wasserspielen in den Bergpark.
An zwei „Länderabenden“ stellten die Gruppen aktuelles Brauchtum und aktuell diskutierte Themen des jeweiligen Landes vor und boten kulinarische Besonderheiten an.



Und das sagen die Teilnehmer/innen:

„Die internationale Jugendbegegnung in Melsungen hat mir sehr gut gefallen. Die Spielfilmworkshops haben viel Spaß gemacht, man hat viel übers filmen gelernt, also über Kameraeinstellungen, was alles an Planung nötig ist etc. Allerdings fiel es uns in unserer Gruppe schwer, das Thema „Jugendkulturen begegnen sich“ dabei einzubinden (wobei das der anderen Gruppe sehr gut gelungen ist)." (Nils)

"Es war gut ein Projekt zu haben, das sich durch die ganze Begegnung zog und an dem man immer wieder gearbeitet hat! Weil irgendwie kam damit mehr oder weniger ein bestimmter Ablauf rein! …Ich habe viel mehr Mut und Sicherheit mit der englischen Sprache gewonnen!
Zu Anfang war ich noch eher schüchtern und hab mich nicht so besonders gut gefühlt aber einfach nur, weil ich gerne mehr gesagt hätte! Aber das ging schnell vorbei und so fühlte ich mich immer besser! Es hat mir sehr viel Spaß gemacht! …
Ich würde auf jeden Fall noch einmal an so einer Begegnung teilnehmen! Und ich würde auch anderen raten daran teilzunehmen (hab ich auch schon gemacht)! Denn auch für Leute mit wenig Geld (so wie ich) ist es eine tolle Möglichkeit seine Sprachkenntnisse zu verbessern, ohne eine weite Reise ins Ausland zu machen, die dann vielleicht nicht mal so viel Spaß bringt wie diese Jugendbegegnungen!" (Inga-Lotta)


Organisiert wurde das Begegnungsprojekt vom Jugendbildungswerk der Stadt Kassel, dem Haus Forstbachweg in Kassel und dem Jugendzentrum Monde in Rovaniemi.

Diese internationale Jugendbegegnung wurde vom EU-Programm JUGEND IN AKTION und der Landesanstalt für Privaten Rundfunk (LPR Hessen) finanziell gefördert.

Der Austausch wird im nächsten Jahr in Rovaniemi fortgesetzt.


* der Originaltext an dieser Stelle ist - obschon von Jugendlichen erfunden und gesprochen – nicht jugendfrei im Sinne der FSK von Jugendbildungswerken