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Integrative Bildungsreise nach Prag 2011

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14 junge Erwachsene mit und ohne Behinderung im Alter von 19 bis 30 Jahren aus der Region Kassel verbrachten vom 20. – 28. August 2011 eine sehr sonnige und schöne Woche in der tschechischen Landeshauptstadt Prag.

Leider war in diesem Jahr keine internationale Begegnung mit einer tschechischen Partnergruppe zu realisieren, weswegen sich diese Begegnung auf eine Reise der deutschen Gruppe in die tschechische Hauptstadt beschränkte.

Während ihres Aufenthalts in der tschechischen Hauptstadt beschäftigte sich die deutsche Gruppe unter anderem mit der Geschichte Prags und der näheren Umgebung. So wurde beispielsweise eine Stadtführung durch die Prager Altstadt von zwei Teilnehmerinnen im Vorfeld vorbereitet und an einem der ersten Tage des Aufenthalts mit Bravour und bei großer Aufmerksamkeit der restlichen Gruppe durchgeführt. Jedoch wurde die Prager Altstadt nicht nur bei Tageslicht erkundet. Eine abendliche Geistertour im Fackelschein brachte mit einigen mystischen, unheimlichen und geisterhaften Geschichten der vergangenen Jahrhunderte die jungen Erwachsenen zum Schlottern und die eine oder andere geisterhafte Erscheinung in Verkleidung versetzte so manchem Deutschen einen Schrecken durch Mark und Bein. So erfuhr man nicht nur Wissenswertes über die Geschichte der Stadt, sondern auch spannende Geschichten über das Jahrhundert der Alchemie und Magie. Außerdem bekam man in der Dämmerung ein anderes Gesicht Prags zu sehen, da die Tour von den bekannten Touristenrouten abwich und durch kleine, historische Gässchen führte.

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Im Tageslicht wurde des Weiteren das unumstrittene Wahrzeichen der Stadt, die Prager Burg, besichtigt, wo man mit Staunen während einer Führung feststellte, dass es in der Vergangenheit scheinbar eine beliebte tschechische Tradition gewesen sein muss, politische Kontrahenten aus Fenstern zu stürzen. Mit Interesse und Erstaunen wurde somit die Geschichte Prags erkundet und immer wieder die architektonische Schönheit und Vielfalt der historischen Gebäude bestaunt. Ein Highlight stellte hierbei die besonders farbenprächtige spanische Synagoge im jüdischen Viertel dar.

 


Auch einen Teil deutscher Geschichte ließ sich in der näheren Umgebung Prags finden. Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Ortschaft Lidice von den Nationalsozialisten als Teil einer Racheaktion nach dem Attentat auf den SS-Obergruppenführer Heydrich (Reichsprotektor von Böhmen und Mähren) komplett zerstört. Alle männlichen Bewohner ab 15 Jahren wurden sofort getötet, Frauen und Kinder wurden ins KZ gebracht. Die Besichtigung der Gedenkstätte und des Museums, welche an der Stelle des zerstörten Dorfes errichtet wurden, war für alle sehr emotional, berührend und eindringlich.


Einen besonderen Programmpunkt stellte ein Besuch in dem integrativen Café Versmίrna dar. In diesem Café werden immer sechs bis sieben Menschen mit geistiger Behinderung gleichzeitig innerhalb eines Trainingsprogramms ausgebildet, um sie für den ersten Arbeitsmarkt fit zu machen. Dieser Besuch erlaubte es der deutschen Gruppe Einblicke in die tschechische Behindertenarbeit zu gewinnen und erweckte die Hoffnung, einen möglichen Kooperationspartner für eine internationale Begegnung im nächsten Jahr gewonnen haben zu können.

Treffen im Café Vesmirna

Doch auch Kunst und Kultur kamen bei dieser Pragreise nicht zu kurz. Ein Besuch des Schwarzlichttheaters Image fand bei allen Teilnehmern großen Zuspruch und sorgte für große Lacher, ebenso wie die Wasserspiele der Krizikova fontana.

Eine neue Erfahrung, gerade für die körperlich behinderten Teilnehmer, aber auch für die helfenden Rollischieber, stellte die Erkundung Prags mit dem Rollstuhl dar. Hier wurde die Erfahrung gemacht, dass zu viel Kopfsteinpflaster den einen oder anderen Schaden am Rollstuhl anrichten kann und die tschechischen Rolltreppen zur U-Bahn besonders lang und steil sind. Gemeinsam konnten jedoch alle Hindernisse überwunden und die Erkenntnis gewonnen werden, dass Menschen mit Beeinträchtigungen und deren Begleiter in Prag mehr und leichter Ermäßigung auf Eintrittspreise erhalten als in Deutschland.

Charakteristisch für dieses Projekt waren aber auch die gemeinsamen Gruppenaktivitäten wie das gemeinschaftliche Kochen im Hotel, die Shoppingtouren mit Jagd auf Souvenirs oder die abendlichen Kneipenbesuche in Kleingruppen. Am Ende dieser Woche waren sich alle Teilnehmer darüber einig, dass gerade die entspannte, hilfsbereite und freundschaftliche Gruppenatmosphäre diese Reise zu einem besonderen Erlebnis gemacht hat. „Ich bin wirklich froh, teilgenommen zu haben. Vor allem weil ich viele Leute kennenglernt habe und auch einige neue Freunde gefunden habe. Es war wirklich ein toller Urlaub“, so eine Teilnehmerin bei der abschließenden Auswertung.



Diese integrative Jugendbildungsreise wurde organisiert und durchgeführt vom Kommunalen Jugendbildungswerk der Stadt Kassel in Zusammenarbeit mit Ambulante Hilfen im Alltag AHA e.V. und dem Institut für Sozialwesen der Universität Kassel und finanziell gefördert mit Mitteln der GlücksSpirale und Mitteln des Kuratorium Aktion für Behinderte in Stadt und Landkreis Kassel.


Berichte & Reportagen über die Erfahrungen der Gruppe während ihres einwöchigen Aufenthaltes in Prag gibt es bei der Radiosendung am Freitag, den 02.12.2011 um 17.00 Uhr

beim Freien Radio Kassel auf 105,8 MHz UKW oder 97,8 im Kabel oder als

lifestream unter www.freies-radio.org,

Wiederholung am Samstag, den 03.Dezember 2011 um 9.00 Uhr (Sendedauer 60 min.)