Particip'Action - Europäisches Jugendforum (Mulhouse 2009)
Jugend & Politik
Europäisches Jugendforum vom 11.-15.November 2009 in Mulhouse (Frankreich)
mit Gruppen aus England, Frankreich, Polen, Rumänien, Tschechien und Deutschland
Was hat Jung Sein mit der EU zu tun? Was macht Europa aus, wie kommen Jugendliche darin vor? Welche Probleme und folglich welchen Handlungsbedarf sehen junge Menschen in Europa?
70 Jugendliche aus Wallsall (England), Mulhouse (Frankreich), Wroclaw (Polen), Timisoara (Rumänien), Usti nad Labem (Tschechien), Chemnitz und Kassel diskutierten 4 Tage lang im französischen Mulhouse über zentrale europäische Themen wie Kommunikation in Europa, Klimawandel, Integration, Rassismus und Toleranz.
In mehreren Arbeitsgruppen tauschten sich die Teilnehmenden über die diesbezüglichen Situationen und Erfahrungen in den beteiligten Ländern aus, diskutierten ihre Vorstellungen und Einschätzungen dazu, dachten über mögliche Strategien nach und formulierten Vorschläge, wie mit den benannten Problemen und Erfordernissen verfahren werden könnte.
Es war sehr unterschiedlich wie „europäisch“ sich die Teilnehmenden fühlten, den meißten war wenig über die EU und ihre Aufgaben bekannt. Informationen über die EU und ihre Angebote wie Fördermöglichkeiten für Auslandsaufenthalte sollten via Radio und TV beworben werden und nicht nur auf Internetseiten für Insider beschrieben sein, schlugen die Jugendlichen vor, und es sollten beispielsweise Info-Touren durch die Schulen Europas organisiert werden um für den Austauschgedanken zu werben und auf die Möglichkeiten hinzuweisen.
Beim Thema „Klimawandel“ stellten die Teilnehmenden fest, dass die Dringlichkeit, sich damit zu befassen, in den verschiedenen Ländern sehr unterschiedlich gesehen wird. Zwar sind Themen wie Energiesparlampe, Mülltrennung oder gar –vermeidung und regenerative Energien überall Thema, aber nicht überall gibt es Unternehmen, die marktführend im Bereich der alternativen Energien sind und entsprechend unterschiedlich wird von der jeweiligen nationalen Politik und Wirtschaft die Notwendigkeit, sich in diesem Bereich zu engagieren, beurteilt.
Einig waren sich aber die Teilnehmenden, dass es sehr wichtig wäre überall den Öffentlichen Personennahverkehr auszubauen, die Produktion von Müll nach Möglichkeit zu vermeiden und den Energieverbrauch, z.B. durch die Förderung von Passivhäusern, zu reduzieren.
Die Arbeitsgruppe „Interkultureller Dialog“ befasste sich mit Vorurteilen und Rassismus. Es wurden Fragen des Zusammenlebens von Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen und des möglichen Umgangs mit Unterschiedlichkeiten besprochen, von eigenen Erfahrungen berichtet und Möglichkeiten der Integration diskutiert. Kostenlose Sprachkurse für alle Zugewanderten (auch für Flüchtlinge!) in ausreichendem zeitlichen Umfang, sollten nach Meinung der Teilnehmenden organisiert und finanziert werden. Die Beschäftigung mit Rassismus, Informationen über Migration und ihre Gründe, über die rechtliche Situation von Migranten sollten zum selbstverständlichen Bestandteil des Schulunterrichtes werden, und schließlich sollten kostenlose Jugendaustausche stattfinden, damit viele Jugendliche die Chance erhalten andere Kulturen kennen zu lernen und auf diese Weise Vorurteilen vorgebeugt werden könnte, so die weiteren Vorschläge.
Die Ergebnisse dieser Diskussionsprozesse wurden Lokal- und EU-Politikern vorgestellt.
Bei einer simulierten Parlamentssitzung im Conseil Géneral in der Departementhauptstadt Colmar konnten die Teilnehmenden einen Eindruck von der Arbeit eines Parlamentes gewinnen: die Jugendlichen saßen an den Mikrofonen, die sonst Politikern vorbehalten sind und stellten ihre Vorschläge anwesenden Politikern vor.
Bei einem zweiten Treffen mit anderen Abgeordneten (unter anderem des EU-Parlaments) und Vertretern der Stadtregierung von Mulhouse konnten die Jugendlichen erneut ihre Vorschläge unterbreiten und einen Dialog mit den gewählten Volksvertretern beginnen.
Die Idee, mit Politikern, die schließlich über die Geschicke auch von Jugendlichen entscheiden, zu diskutieren, fanden die Teilnehmenden alle ziemlich gut, obgleich sich der eine oder die andere mehr Offenheit und Interesse für die gemachten Vorschlägen gewünscht hätte. Die anwesende französische EU-Abgeordnete jedenfalls versprach, dass die Ergebnisse des Europäischen Jugendforums an ihre Kolleginnen und Kollegen weitergegeben würden.
Es wurde aber nicht nur diskutiert bei diesem Europäischen Jugendforum „Jugend & Politik“. Die jungen Europäer hatten Gelegenheit sich die historische Innenstadt von Mulhouse anzuschauen, ein super spannendes Technikmuseum (in dem manch einem im wahrsten Sinne die Haare zu Berge standen) zu besuchen und bei einem Abschlusskonzert dabei zu sein, bei dem diverse Stars der verschiedenen französischen Musikszenen mehreren tausend Jugendlichen ordentlich einheizten.
Manch einer der teilnehmenden Jugendlichen fand am Schluss aber doch, es wäre gut gewesen, länger an den diskutierten Themen arbeiten zu können, weil es einfach ungeheuer interessant ist mit Jugendlichen anderer Länder gemeinsam Vorschläge zu entwickeln für Dinge, die uns alle angehen, egal wo in Europa.
Das Europäische Jugendforum wurde organisiert vom Service Jeunesse (Jugendamt) und dem Conseil de Jeunes de Mulhouse (Jugendrat), der Communauté d’Agglomeration Mulhouse Sud Alsace in Zusammenarbeit mit Jugendämtern und Vereinen aus Wroclaw, Wallsall, Timisoara, Usti nad Labem, Chemnitz und Kassel. Die Mitwirkung der Kasseler Jugendlichen wurde vom Kommunalen Jugendbildungswerk der Stadt Kassel organisiert. Ermöglicht wurde dieses internationale Begegnungsprojekt durch die finanzielle Unterstützung durch das EU-Programm JUGEND IN AKTION.





