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Vom Hören und Parken - Rollenklischees in Europa 2009

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Vom Hören und Parken – Rollenklischees in Europa
Internationale Jugendbegegnung mit Gruppen aus Padova, Marseille, Mragowo und Kassel vom 11.-22.Juli 2009 in Kassel

Was tun Männer? Was tun sie nicht?
Was tun Frauen? Was tun sie nicht?
Was sollten Frauen besser nicht tun? Welches Verhalten geht bei Männern gar nicht?
Wer spielt wo welche Rolle? Wer baut Häuser? Wer repariert Autos? Wer macht den Haushalt?
Wer bewegt sich wie? Wer nimmt welchen Raum ein? Wer nimmt Kontakt zum andern Geschlecht auf (in der Disco, in der Schule, auf der Straße ..)? Und wie?
Warum werden eigentlich nie und nirgends Männer von Frauen zum Drink eingeladen?

35 Jugendliche aus Italien, Frankreich. Polen und Deutschland versuchten 10 Tage lang über diese und noch viele weitere Fragen herauszufinden, ob es Unterschiede im Rollenverständnis von Männern und Frauen in den vier beteiligten Ländern gibt oder ob die Rollenzuschreibungen und –Erwartungen in Europa doch eher ähnlich sind.

Miteinander reden war die zunächst gewählte Methode um herauszufinden, wer wo was tut oder besser bleiben lassen sollte, welche Verhalten üblich sind und welche Haltungen man/frau sich wünschen würde.

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Während – nach Ansicht der Teilnehmenden - die Männer in Italien und Polen sich beim schnöden Abwasch und Hausputz eher zurückhaltend geben, zeigen sich ihre französischen Artgenossen als wahre Heulsusen, wenn sie mal krank sind und die deutsche Ausgabe dieser Spezies verbringt die Zeit jenseits der Arbeit am ehesten mit Fußball spielen und mehr noch schauen.
Frauen in Frankreich kümmern sich stärker um ihre berufliche Zukunft als das französische Männer tun, die polnische Frau ist Hausfrau, Frauen in Deutschland versuchen (von Männern) unabhängig zu leben und arbeiten häufig halbtags, italienische Frauen spielen keine ernsthafte Rolle in der Politik – so die Teilnehmenden dieser Begegnung weiter.
Länderübergreifend sind Frauen am Einkauf von Schuhen interessiert und sie sind es auch - in allen Ländern - , die sich an die Geburtstage ihrer Lieben erinnern. Das Lesen scheint eher eine Sache der Frauen zu sein, an Mode sind länderübergreifend beide Geschlechter interessiert. Und, ach ja, während Männer sich gerne auf eine Sache konzentrieren, wird auch von dieser Gruppe den Frauen Multitaskingfähigkeit – oder die Kunst, sich zu verzetteln – attestiert.

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Manchmal aber vermag man/frau beim Sprechen mit Menschen aus 4 Nationen, die alle eine andere Sprache sprechen, nicht alles, was einen beschäftigt, für die anderen verständlich auszudrücken. Deshalb hatten die Teilnehmenden die Gelegenheit, sich über ihre Erfahrungen und Beobachtungen im Rahmen von Tanz- und Theaterworkshops auszutauschen.
10 Tage lang beobachteten, spielten und spiegelten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Rollen, Verhalten, Haltungen und Kommunikationsformen der beiden Geschlechter, lernten dabei, sich in neuen Tanzstilen auszudrücken, beschäftigten sich mit dem Einsatz von Stimme und Mimik, erfuhren, was Präsenz auf der Bühne bedeutet und lernten, ihre eigenen Ideen in Tanz und Theater umzusetzen.

Daneben gehörten zur Begegnung auch eine Kanutour auf Nordhessens längstem Fluss, ein Ausflug nach Hann.Münden, Besuche im Bergpark und in der Kasseler City, das Kennenlernen von verschiedenen Jugend- und Kulturprojekten in Kassel und eine Beschäftigung mit der Entwicklung der Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen in den vergangenen hundert Jahren.

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Am Ende der Begegnung tanzten und spielten die Teilnehmenden ihre Eindrücke von der Begegnung zwischen den Geschlechtern unter der Leitung von Pamela Hering (Tanz), Rika Erkens und Markus Hühn (beide Theater) eine Stunde lang vor einem begeisterten Publikum im doc4. Und dabei griffen sie dann wieder ordentlich in die Kiste der Klischees – und hatten sichtlich Spaß dabei.
"Die meisten Klischees über Männer und Frauen kannte ich eigentlich schon, aber es hat Spaß gemacht, sie in Bewegungen bzw. ins Tanzen umzuwandeln. Einfach mal so richtig einen auf Macho oder Zicke zu machen,“ sagt z.B. Kyra.

Und weitere Stimmen zur Begegnung:

„….Beim Tanzen habe ich auf jeden Fall einen neuen Tanzstil gelernt. Es war so etwas ähnliches wie Ausdruckstanz, bei dem wir sozusagen in die Welt des andren Geschlechts eintraten. Ich finde, dass ich damit eine gute Erfahrung gemacht habe….Ich hätte mir nie vorstellen können wie aufregend es ist, mit vier Nationalitäten in einem Zimmer zu sein (ohne Erwachsene!) Jeder wollte über die anderen etwas wissen. So war der Kontakt extrem leicht und ich habe jetzt viele neue Freunde auf Facebook!!!"

"…bis zum heutigen Zeitpunkt denke ich immer wieder an besondere Ereignisse der schönsten ersten zwei Wochen der Sommerferien, die ich je erlebt hatte!
Das Thema: „Vom Hören und Parken – Rollenklischees in Europa“. Diese Aussage hat schon sehr viel für mich versprochen. Rollenklischees in Europa auszudiskutieren mit verschiedenen Menschen aus Europa – was passt besser zusammen?
Im Endeffekt habe ich gemerkt, dass es doch gewisse große (und kleine) Unterschiede zwischen einzelnen Ländern der EU gibt!“ Jasmin

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"Sehr gut fand ich an der Begegnung einmal, dass wir so viel Englisch gesprochen haben (denn ich mag fremde Sprachen sprechen sehr gerne) und mein Englisch besser geworden ist – meine Umgangssprache - die wir in der Schule ja nicht lernen. Ich habe sogar ein bißchen Polnisch und Italienisch gelernt! Aber auch die Kanutour und das Tanztraining, sowie der abschließende Auftritt haben mir sehr,sehr gut gefallen!!!
Ich hatte zwar erwartet, dass wir ein bisschen mehr Tanz- bzw.Theatertraining haben werden und fand den Tanzstil anfangs auch etwas komisch, aber im Endeffekt hat es mir Spaß gemacht in die Rolle eines klischeehaften, machohaften Jungen zu schlüpfen. Für mich hat sich eher gezeigt, dass das mit den Klischees so eine Sache ist. Dass zwar die Franzosen, jetzt speziell die Männer, in einer gewissen Hinsicht charmant sind und die Italiener eher Machos, aber dass wir eigentlich auch im eigenen Land soo unterschiedlich sind und gerade in der Pubertät in kein Raster passen. … Zudem haben wir gerade beim Spielen des Anderen beim Tanzen gemerkt, wie übertrieben und überbewertet Klischees sind, auch wenn sie sich manchmal bestätigen." Josefine

Dieses internationale Tanz- und Theaterprojekt wurde organisiert und durchgeführt vom Kommunalen Jugendbildungswerk der Stadt Kassel in Kooperation mit dem Forum Kultur in Poznan und Mragowo (Polen), Eurocircle in Marseille (Frankreich) und dem Progetto Giovani in Padova (Italien). Finanziell unterstützt wurde diese Jugendbegegnung vom EU-Programm JUGEND IN AKTION.

In 2010 wird das Projekt in Polen fortgesetzt.

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