Vom Umgang mit Behinderungen - Integration und Inklusion in Mitteleuropa 2009
Internationales Begegnungsprojekt für junge Erwachsene
Begegnung von Fachkräften aus der Arbeit mit Behinderten aus der Slowakei, Tschechien und Deutschland
vom 06.-13.September 2009 in Kassel
In den vergangenen Jahren führte das Jugendbildungswerk der Stadt Kassel in Kooperation mit anderen Trägern mehrere integrative Jugendbegegnungen, also Begegnungen mit Menschen mit und ohne Behinderungen, mit Gruppen aus Olomouc in Tschechien und Bratislava in der Slowakei durch.
Die dabei gemachten Beobachtungen und Erfahrungen weckten das Interesse aller beteiligten (angehenden) Fachkräfte an den Sichtweisen, Handlungsleitlinien und Arbeitsweisen der anderen, an den Rahmenbedingungen für Menschen mit Behinderungen in den verschiedenen Gesellschaften, an den Möglichkeiten, die Menschen mit Beeinträchtigungen in den beteiligten Ländern haben und an den alltäglichen Behinderungen, die ihnen begegnen.
Diese Fachkräftebegegnung richtete sich an junge Erwachsene, die bereits in der Arbeit mit behinderten Menschen haupt- oder ehrenamtlich tätig sind, eine entsprechende Ausbildung absolvieren und andere, die an der Thematik interessiert sind.
Absicht der Organisatoren war es einen Diskussionsprozesses über Bedarfe, Ziele und Methoden in der Arbeit mit (jungen) Behinderten zu initiieren, den Umgang mit Behinderungen und Behinderten in den beteiligten Ländern zu thematisieren und den Umfang der Integration und Inklusion (junger) Behinderter in den Lebensalltag der Gesellschaften zu beleuchten. Dazu gehört eine Auseinandersetzung mit den verschiedenen Aspekten des Kümmerns und Versorgens ebenso wie mit den Chancen und Grenzen der Verselbständigung Behinderter in einer sich dem Markt verpflichtenden Welt.
Die Teilnehmenden besuchten Werkstätten und Integrationsbetriebe, Förderschulen und integrative Schulen, schauten sich verschiedene Wohnformen an (vom klassischen Wohnheim bis zum selbständigen Wohnen), sprachen mit Vertretern von Selbstvertreterorganisationen, Behindertenbeirat, Unterstützerorganisationen und einer selbstorganisierten Freizeitgruppe, informierten sich über das Persönliche Budget und führten Fachdiskussionen mit einem Vertreter der Wissenschaft zu Fragen der Inklusion um verschiedene Modelle des Umgangs mit Behinderungen zwischen Segregation, Integration und Inklusion kennen zu lernen.
Die Teilnehmenden gingen Fragen nach wie:
- Gibt es Wohnformen, Schulen und Arbeitsplätze, wo behinderte Menschen wirklich integriert sind?
- Welche inklusiven, Menschen mit Behinderungen also selbstverständlich einschließenden, Angebote gibt es?
- Welche Formen von eigener Interessensvertretung behinderter Menschen gibt es, wie arbeiten sie und sind sie erfolgreich in der Vertretung eigener Interessen?
- Welches Verständnis zwischen liebevollem Kümmern und ernsthafter Unterstützung zur Selbstbestimmung liegt den verschiedenen Projekten zugrunde ?
- Welche Unterstützung erfahren Menschen mit Beeinträchtigungen, die sich mehr Selbständigkeit und Selbstbestimmung wünschen?
- Gibt es länderspezifische Unterschiede im Umgang mit Behinderungen und folglich bei den umgesetzten Projekten?
Im Rahmen einiger Playback Theater Einheiten unter der Leitung des erfahrenen Playbackers Markus Hühn konnten sich die Teilnehmenden zudem mit der emotionalen Seite der Arbeit mit behinderten Menschen auseinandersetzen. Playback Theater als sehr kommunikative, seinem Wesen nach auf Dialog beruhende Improvisationstheaterform ermöglicht die Reflektion des eigenen Umgangs und der eigenen Gefühle im Umgang mit Behinderungen und Behinderten.
Ein lohnendes Projekt, fanden alle Beteiligten. Da die Begegnung in Kassel stattfand, waren die Rahmenbedingungen in Deutschland der Schwerpunkt dieser Woche und unterschiedliche Gegebenheiten in den anderen beiden Ländern wurden nur teilweise diskutiert. Die Möglichkeiten und Bedingungen in der Slowakei und Tschechien werden im kommenden Jahr in den Vordergrund gerückt, wenn im September der zweite Teil der Fachkräftebegegnung in Olomouc stattfindet und der Austausch mit Hilfe der neuen Eindrücke intensiviert wird.
Diese Fachkräftebegegnung wurde organisiert und durchgeführt vom Kommunalen Jugendbildungswerk der Stadt Kassel in Zusammenarbeit mit Ambulante Hilfen im Alltag AHA e.V. und dem Fachbereich Sozialwesen der Universität Kassel und finanziell gefördert mit Mitteln des Kinder- und Jugendplanes durch das deutsch-tschechische Jugendwerk TANDEM und Mitteln der GlücksSpirale.







